YZF-R1, YZF-R7 & YZF-R71

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    • YZF-R1, YZF-R7 & YZF-R71

      In letzter Zeit war es sehr ruhig um mich und hin und wieder wurde ich hier und da nach dem Stand meiner Annabelle gefragt, wobei dann oft die Rückfrage kam, was denn genau eine R71 ist.

      Aus diesem Grund , und vor allem weil ich einfach mal wieder Lust habe was zu schreiben, eine kleine Wissenssammlung zu den Unterschieden zwischen YZF-R1, YZF-R7 und eben YZF-R71:


      Früher galt in der Superbike das Reglement, dass Vierzylindermotoren bis zu 750ccm besitzen durften, Zweizylindermotoren bis zu 1000ccm. Während Ducati mit den 916 bis 998 Modellen und Kawasaki wie auch Suzuki jeweils mit den ZXR (später ZX7R) und GSX-R 750 Modellen die Anforderungen von mindestens 500 produzierten straßenzugelassenen Motorrädern ohne Schwierigkeiten erfüllten, stand man bei Yamaha im Jahre 1998 ohne Basis da.

      Die YZF-R1 aka RN01 hatte bei ihrer Ankündigung im Jahre 1997 die Szene in Erstaunen versetzt, denn sie war das mit Abstand leistungsstärkste Serienmotorrad bei kompaktester Bauweise und geringstem Gewicht in Ihrer Klasse. Sie löste mit bahnbrechendem Erfolg die YZF 1000 und 750er Modelle ab, dicht verfolgt von der YZF-R6, welche 1998 ebenfalls als leistungststärkstes und kompaktestes Serienmotorrad seiner Klasse von der Kette gelassen wurde.

      Da aber eben noch das entsprechende Reglement der Superbike galt, entwickelte Yamaha im stillen Kämmerchen ein Motorrad, welches alleine für den Zweck gebaut wurde, die Superbike zu dominieren. Basierend auf dem damaligen MGP Bike YZR 500 wurde die OW02 entwickelt, welche in der Straßenversion später als YZF-R7 bezeichnet wurde. Von dieser wurden 500 Stück gebaut und verkauft.

      Wenn auch der Verkauf als Race-Only ohne Garantie erfolgte, hatte die Straßenversion nicht annähernd die hochwertigen Komponenten der Rennversion verbaut. Auch die Motorleistung musste aus Gründen der Homologation auf 100PS begrenzt werden. Von Yamaha wurden entsprechende YEC-Kits angeboten, mit denen die Leistung auf 135 oder sogar bis zu 160PS gesteigert werden konnten.


      Straßenversion der OW02 - die YZF-R7

      War auch die Motorleistung der R7 nicht annähernd zeitgemäß, war das Handling seiner Zeit weit voraus. Bis heute gilt das Handling der YZF-R7 als eines der Besten, welches es out of the box zu kaufen gab. Der direkt aus dem absoluten Motorsport stammende Rahmen mit seiner entsprechenden Geometrie wurde durch ein hochwertiges Öhlinsfahrwerk unterstützt, gepaart mit den sehr bissigen Monoblock-Sätteln von Sumitomo, welche bereits in der YZF-1000 und YZF-R1 für erstklassiges Bremsverhalten sorgten.

      Dem entgegen aber lies die Qualität entsprechender Komponenten und auch die mangelnde Unterstützung durch Yamaha zu wünschen übrig. Die Kurbelwellen brachen reihenweise und hinterließen große Löcher in so manchem Geldbeutel, kostete das Stück alleine schon 4500.- Dollar. Bedingt durch die fehlende Garantie und das fehlende Interesse Yamahas an entsprechendem Entgegenkommen, standen viele YZF-R7 staubig in den Verkaufsräumen von Händlern sich die Reifen platt.

      Hinzu kam, dass die Verkaufsversion nur unter horrenden Kosten annähernd konkurrenzfähig in Sachen Motorleistung für den Motorsport aufgebaut werden konnten., weswegen das Interesse seitens Rennteams sehr gering war.


      Entsprechend hieraus entwickelte sich langsam die YZF-R71, wobei es von dieser mehrere Versionen gibt.


      YZF-R71 auf Basis der OW02:

      Viele YZF-R7 Besitzer liesen den Rahmen der OW02 so bearbeiten, dass er den Motor der RN01 aufnehmen konnte. Dieser galt damals als sehr robust und leistungsfähig, konnte günstig unterhalten und in der Leistung gesteigert werden. Dazu konnte die YZF-R7 bestens mit dem Motorleistung und deren Entwicklung umgehen. Die daraus entstandenen Motorräder galten als ihrer Zeit weit voraus und wurden erfolgreich in einigen Rennserien eingesetzt, welche einen entsprechenden Einsatz zugelassen haben.

      Dies war etwa bei der TT der Fall, wo V&M mit einer entsprechenden YZF-R71 die lange Dominanz von Honda mit einem Paukenschlag beendete.

      Spitzenreiter waren Graves Motorsport welche in einer entsprechenden Rennserie mit der YZF-R7 die Saison so dominierten, dass man nach nur wenigen Rennen das Reglement ändern musste, da man befürchtete, dass die anderen Teams aussteigen. Im neuen Reglement musste der Rahmen zu mindestens 50% aus dem Rahmen bestehen muss, aus dem auch der Motor stammt. Interessierte Graves nicht die Bohne, man baute einen Rahmen halb OW02, halb RN01 und nannte es entsprechend YZF-R71. Dieses Motorrad wurde bis Mitte der 2000er mit 1080ccm, Flachschiebervergaser und über 200PS am Hinterrad benutzt.



      Graves YZF-R71, Rahmen halb OW02, halb RN09, 1080ccm und über 200PS am Hinterrad

      YZF-R71 auf Basis der RN01 oder RN04:

      In England baute QB-Carbon basierend auf der RN01 eine YZF-R71 SPS. Es handelte sich um eine RN01 mit Öhlinsfahrwerk, angepasste Verkleidung der YZF-R7 auf die RN01 und ensprechende weitere Maßnahmen, durch welche die Performance weit nach oben gesetzt wurde. Doch die Stückzahlen waren gering und der Preis entsprechend hoch. Da QB-Carbon die Verkleidungsteile jedoch auch regulär zum Verkauf anbietet, bauen bis heute einige Besitzer der RN01 und RN04 ihre Motorräder entsprechend mit diesen auf die YZF-R71 um. Die Schwierigkeiten hierbei sind aber vor allem der Scheinwerfer und der passende Halter für eben diesen, denn diese sind nicht mehr zu beziehen.


      Harris YZF-R71:

      Ebenfalls in England wurden von Harris Performance Rahmen angefertigt, welche dem der OW02 entsprechen, jedoch mit Aufnahmen für den 4XV Motor der RN01 und RN04. Diese waren jedoch so teuer, dass sie zu dem damaligen Zeitpunkt uninteressant wurden, denn in der SBK wechselte das Reglement von 750 auf 1000cm bezüglich Vierzylindermotoren. Es wurden gerade einmal acht Stück gefertigt und auch auf Nachfrage fertigt Harris keine mehr an.



      Zur YZF-R7 sei gesagt das ich der Meinung bin, dass diese gerade aufgrund der mangelnden Umsetzung seitens Yamaha leider sehr in Verruf geriet. Schwache Motorleistung, mangelnde Qualität, horrende Preise für die YEC-Teile und die mangelnde Unterstützung durch Yamaha haben die ersten Jahre sehr an ihr genagt. Dazu kam im Jahre 2000 das überraschende Aus von Haga, der während der Saison positiv auf Ephidrin getestet wurde. Zwar kehrte er zurück, aber da war die Saison schon gelaufen...


      Die YZF-R7 ist heute sehr rar geworden, speziell in gutem Zustand. Ersatzteile sind sehr selten geworden, speziell Sturzteile wie Rahmen und Schwinge, oder eben Motorkomponenten, welche beim Händler nicht mehr zu erwerben sind. Dennoch genießt sie einen gewissen Mythos um sich herum, eben weil sie aufgrund des Handlings damals das dominierende Motorrad ihrer Klasse war... wenn man sie in Sachen Leistung denn von der Kette lies...
      YZF-R71 (Annabelle) - Race Only, OW02 - Race Only (Tinkerbelle)